Betriebsrechnung BVG 2019

Die Betriebsrechnungen BVG 2019 wurden gegen Ende Mai 2020 von den jeweiligen Lebensversicherern veröffentlicht. Die Daten der Swiss Life, Axa, Basler, Helvetia, Allianz Suisse, Pax und Zürich wurden ausgewertet und hier in Teilen dargelegt. Bei Bedarf stellen wir Ihnen weitere detaillierte und massgeschneiderte Informationen gerne zur Verfügung.

Besonderen Augenmerk wird dem Ausstieg der AXA aus der Vollversicherung gewidmet.  Swiss Life, Basler, Helvetia, Allianz Suisse und Pax sind diejenigen Lebensversicherer, die das Produkt “Vollversicherung” nach wie vor anbieten. Neben der Axa, bieten die Zürich und die Mobiliar (hier nicht dargelegt) keine Vollversicherungen an.

Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA veröffentlicht in der Regel im September den “Transparenzbericht private berufliche Vorsorge”. Dort wird eine sehr detaillierte Analyse von Seiten der Aufsichtsbehörde geboten.

Entwicklung der aktiv Versicherten

  • Die Anzahl der aktiv Versicherten ist in 2019 leicht gesunken. Die Anzahl der Vollversicherten ging um 198 000 von 979 000 auf 781 000 zurück. Diejenigen der übrigen aktiven Versicherten erhöhte sich von 646 000 auf 829 000, was einem plus von 183 000 entspricht.
  • Die Anzahl der aktiv Versicherten der Axa  ging um etwa 73 000 von 405 000 auf 332 000 zurück. Die Vollversicherten gingen um 217 000 zurück und diejenigen der übrigen aktiven Versicherten nahm um 145 000 zu.
  • Swiss Life verzeichnet einen Zugang der Aktiven von 460 000 auf 498 000, was einem plus von 38 000 entspricht. Hiervon fallen 27 000 auf die Vollversicherten und 11 000 auf die übrigen aktiven Versicherten. Sie versichert nun gut 48% aller aktiven Versicherten der Vollversicherung.
  • Helvetia konnte die Anzahl um 12 000 mit leichtem Rückgang bei den Vollversicherten erhöhen. Die Anzahl der übrigen Aktiven nahm um 14 000 zu, was im Wesentlichen durch den Vertrag mit der Swisscanto erklärt wird.
  • Auch die Zürich konnte Ihre Anzahl um 12 000 ausbauen.

Entwicklung des Rentenbestandes

  • Die gesamte Anzahl der   Rentner ist in 2019 in etwa bei 266 000 stabil geblieben.
  • Bei Swiss Life sind hiervon etwa 37% versichert.
  • Bei Axa werden neue “Verrentungen” nicht mehr versichert, was den leichten Rückgang erklärt.

Asset Allokation

  • Im Allgemeinen gab es bei der Asset Allokation in 2019 keine grossen Verschiebungen.
  • Der Anteil an flüssigen Mitteln bei AXA war in 2018 jedoch sehr hoch. Ein gewisser Anteil an Mitteln wurde beim Ausstieg  aus der Vollversicherung wohl in Cash geleistet.
  • Die Anlage in Obligationen CHF  in Fremdwährungen (FW) bilden mit im Durchschnitt über 60% die wesentliche Anlageklasse.
  • Für die Pax ist die Anlage in Obligationen mit über 80% die beliebteste Anlageklasse.
  • Swiss Life und Zürich weisen einen leicht überdurchschnittlichen Anteil im Bereich der Liegenschaften aus.
  • Hingegen hat die Axa im Rahmen des Ausstiegs aus der Vollversicherung den Anteil an Liegenschaften deutlich reduziert.

Versichertes Altersguthaben

  • Der Ausstieg der AXA bewirkte, dass das versicherte Altersguthaben insgesamt um 22% zurückging.
  • Bei der AXA reduzierte sich das versicherte Altersguthaben mit dem Ausstieg aus der Vollversicherung um fast 90%.
  • Swiss Life versichert 53% des gesamten Altersguthabens.
  • Im Total beträgt der Anteil des obligatorischen Altersguthaben am gesamten etwa 51%.
  • Bei der Swiss Life beträgt der obligatorische Anteil etwas unter 50%.
  • Der Anteil des obligatorischen Anteiles bei der Pax beträgt hingegen 64%.

Technischer Zins & Verstärkung von Rentendeckungsrückstellungen

  • Im Jahr 2019 wurde der technische Zinssatz mit dem die laufenden Rentenleistungen bewertet werden von den meisten Gesellschaften gesenkt. 
  • Im Bereich der autonomen Vorsorgeeinrichtungen kommt per Ende 2019 ein durchschnittlicher technischer Zinssatz von 1.88% gemäss des “Berichtes finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2019” der OAK BV zur Anwendung. Bei den Lebensversicherern ist dieser Satz mit ca 1.0% deutlich tiefer.
  • Allianz Suisse wendet mit 0.75% den tieftsten technischen Zins an.
  • Zur Verstärkung der Rückstellungen für Rentenleistungen werden erhebliche Rückstellungs-Verstärkungen vorgenommen.
  • Sie liegen bei den meisten Gesellschaften bei über 20%.
  • Die deutliche Erhöhung des Anteils bei der Allianz Suisse mag mit der Senkung des technischen Zins in Verbindung stehen.

Überobligatorische Umwandlungssätze und Rückstellungen für zukünftige Umwandlungssatzverluste

  • Im Jahr 2019 wurden die überobligatorischen Umwandlungssätze in der Regel von allen Gesellschaften gesenkt. Diejenigen der Axa blieben unverändert.
  • Der überobligatorische Umwandlungssatz ist bei den Männern aufgrund der späteren Pensionierung und der geringeren Lebenserwartung in der Regel höher.
  • Um die Verluste aufgrund zu hoher Umwandlungssätze, vornehmlich des obligatorischen Umwandlungssatzes von 6.8%, abzuferdern, werden hierzu Rückstellungen gebildet.
  • In Relation zu den Altersguthaben weisen diese Rückstellungen ein heterogenes Bild auf.
  • Die beiden “Nicht-Vollversicherer” Axa und Zürich weisen die tiefsten Quoten aus.
  • Bei der Pax hingegen werden 3.5% des Altersguthabens für zukünftige Umwandlungssatzverluste reserviert. Dies mag ihrem hohen obligatorischem Anteil an dem Altersguthaben geschuldet sein.
  • In 2019 konnten Swiss Life und Helvetia ihre Quoten deutlich reduzieren.

Kostenprämie

  • Die Kostenprämie pro aktiv Versicherten ist von 2018 zu 2019 bei den meisten Anbietern relativ stabil geblieben. 
  • Sie ist bei der Zürich mit 317 Franken pro Jahr im Verhältnis zu den anderen Anbietern am tiefsten. Und bei Allianz Suisse und Pax mit um die 600 Franken am höchsten.
  • Bei der Axa ist die Kostenprämie in etwa stabil geblieben.

Schadenquote und Combined Ratio

  • Die Schadenquoten weisen im Allgemeinen ein heterogenes Bild auf. 
  • Diejenigen der Swiss Life sind jedoch zwischen 2019 und 2018 eine Ausnahme.
  • Bei Axa stieg die Schadenquote, was im Zusammenhang mit einer Reduktion der Risikoprämie im Zuge des Ausstiegs aus der Vollversicherung steht.
  • Zürich weist in 2019 eine Schadenquote von fast 100% aus. 
  • Die Betrachtung der Combined Ratio bietet auch ein heterogenes Bild, wenn auch nicht so ausgeprägt.
  • Swiss Life weist auch hier ein stabiles Bild und eine Marge von gut 20% aus.
  • Die Combined Ratio der Axa ist deutlich höher aus die Schadenquote, was auf einen defizitären Kostenprozess hindeutet.
  • Die Schadenquote und Combined Ratio der Zürich bewegen sich in etwa auf gleicher Höhe.

Aktionärssicht

Hier wird die Ausschüttungsquote und ein “Return on Capital” betrachtet. Als “Capital” wurde pauschal und sehr vereinfachend 10% der versicherungstechnischen Rückstellungen angenommen. Das Zielkapital im SST der Lebensversicherer weist diese Grössenordnung aus. Aufwendungen für Steuern sind in dieser Kennzahl nicht enthalten.

  • Die Ausschüttungsquote ist zwischen den einzelnen Gesellschaften sehr heterogen.
  • In 2019 lag sie bei der Axa und bei der Allianz in 2019 und 2018 bei etwa 90%.
  • Pax weist mit die höchsten Ausschüttungsquoten aus.
  • Die Ausschüttungsquote der Zürich ist in 2019 ebenso sehr hoch, was der Combined Ratio von fast 100% geschuldet ist.
  • Bei Axa zeigt sich, dass der RoC nach dem Ausstieg aus der Vollversicherung deutlich zugenommen hat.
  • Auch bei der Zürich ist der RoC in 2018 relativ hoch. Die hohe Ausschüttungsquote in 2019 bewirkte hingegen eine Reduktion des RoC.
  • Bei Swiss Life ist der RoC relativ tief, was wohl der hohen Ausschüttungsquote geschuldet ist.
  • Pax verfügt über eine “genossenschaftliche Struktur”. Hier fehlen im Grunde die Aktionärsinteressen, so dass dort ein RoC von gut 1% resultiert.